Ich bin immer noch berührt von euren Reaktionen auf meinen Beitrag vom Samstag «Sei mutig und zeig dich».

    Was lediglich als Beitrag für meine Sichtbarkeit gedacht war, hat wieder die Diskussion entfacht, die ich mit meinem Blog-Post von Januar zum Thema Highprice-Coaching angezettelt habe. Damals ging es ja in meiner Welt heiss her, weil ich so viele Rückmeldungen und Feedbacks – und natürlich auch Gegenwind – erhalten habe.

    Wie damals habe ich zahlreiche persönliche Nachrichten erhalten von Menschen, die mir gedankt haben, weil ich das ausspreche (bzw. schreibe), was sie und andere denken.

    Aber auch Menschen, die mir klar gesagt haben, dass sie sich nicht trauen, damit nach draussen zu gehen. Entweder weil sie nicht für ihre Meinung bewertet werden wollen oder weil sie es sich nicht mit jenen «verscherzen» wollen. Darum geben sie kein Like oder kommentieren nicht.

    Ähnliche Rückmeldungen kenne ich ja schon von Januar und für mich ist das auch soweit ok.

    Was mich heute zu diesem Beitrag bewogen hat, ist die Tatsache, dass mir zusätzlich zwei weitere Situationen begegnet sind, die ebenfalls «symptomatisch» für das Phänomen sind:

     

    Lieber zu schweigen als die Dinge anzusprechen.

     

    Einerseits wurde ich vor wenigen Wochen ungewollt Zeugin, wie der Newsletter eine grossartigen Kollegin über mehrere Seiten kopiert wurde (Wort für Wort, ohne Quellenangabe und Namensnennung).

    Andererseits lese ich vor einigen Tagen von einer anderen Kollegin, deren Inhalte (ebenfalls ohne Quellenangabe und Namensnennung) von jemand anders übernommen und als die eigenen präsentiert wurden.

    Im ersten Fall hatte ich die Herausforderung, wie ich damit umgehen sollte. Im zweiten Fall war es die Kollegin, die in einer Community um Rat bat, wie sie damit umgehen sollte.

     

    Die Dinge beim Namen zu nennen, scheint heutzutage schwerer zu sein, als jemals zuvor.

     

    Früher gab es das Wort „Zivilcourage“, was soviel bedeutet wie „der Mut für seine Meinung oder Taten auch Nachteile in Kauf zu nehmen“.

    Hinschauen, statt wegschauen.
    Ansprechen, statt schweigen.

    Heute fühlt es sich an, wie eine Gratwanderung, denn schliesslich will ein jeder von uns «das Richtige» tun. Und das macht es manchmal so schwierig, dass man anscheinend lieber nichts sagt. Ist einfacher, bequemer, flauschiger.

    Denn uns wird ja – Julian Assange (der Gründer von WikiLeaks) sei Dank – klar und deutlich vor Augen gehalten, was mit jemandem geschieht, der Dinge aufdeckt und anspricht, die besser im Verborgenen geblieben wären.

    Die einen reden sich mit der Angst vor den Konsequenzen heraus.
    Die anderen mit – sorry – verschwurbelten Eso-Sätzen» wie «Ich gehe nicht in solch negative Energien» heraus.

    Und beim nächsten Posting, in dem die aktuelle Zeitqualität interpretiert wird und Dinge stehen wie «Die Systeme beginnen zu bröckeln» oder «Die Wahrheit kommt ans Licht» und «Die Lügen fliegen auf» jubeln dieselben Personen, dass nun endlich bald die Veränderung der Menschheitsgeschichte da ist, auf die wir schon so lange warten.

    Jeder schreit nach

    Wahrheit
    Authentizität
    Transparenz
    Ehrlichkeit
    Ethik
    Werteorientierung.

    Aber keiner will derjenige sein, die die Dinge sieht und anspricht.
    Die Wahrheit ans Licht bringt. Die Fakes enttarnt. An Werte und Ethik erinnert.

    Weil: Kommt ja nicht so gut. Und vielleicht schadet das dem Ruf. Oder dem Business.
    Ne ne … da halte ich mal lieber meinen Mund … den dürfen sich andere verbrennen.

    Oder wir formulieren die Dinge – wenn überhaupt – so vorsichtig, dass uns bloss niemand das eine oder das andere unterstellen kann. Denn Gegenwind von anderen zu bekommen, egal aus welcher Richtung, ist ja auch nicht so flauschig.

     

    Da bleibe ich mal lieber schön in der Neutralität.

     

    Wer mich näher kennt, weiss, dass gerade das Thema KLARTEXT eines meiner grössten Herausforderungen ist. Bin ich eigentlich viel lieber diejenige, die lieb und nett ist und von allen gemocht wird.

    Ich mag es, wenn Menschen wertschätzend kommunizieren und respektvoll miteinander umgehen. Ich spüre, welch grossartige Zukunft hier möglich ist, wenn das Miteinander und das Gemeinsam im Fokus steht.

    Gerade deshalb bin ich aber auch jemand, der irgendwann – vielleicht auch immer noch eher zu spät als rechtzeitig – etwas sagt, wenn es nötig wird. Ich bin durchaus im Erlauben für das, was andere tun, aber wenn (m)eine Grenze überschritten wird, gibt es ein klares Statement. Ich bin definitiv kein Fussabstreifer für andere.

    Ich habe mich am Wochenende ernsthaft gefragt, was es braucht, damit es für uns alle – oder zumindest die, die sich dazu berufen fühlen – leichter wird, auch mal unbequeme Dinge anzusprechen. Dass es leichter wird, zu sich, seinem Sein und den eigenen Werten zu stehen und notfalls auch mal ganz klar Stellung zu beziehen?

     

    Du weisst, dass ich dies gerade im Businessbereich wichtig finde – denn wie soll man dich finden, wenn du dich nicht zeigst, so wie du bist? Mit deinem Sein und deinen Werten?

     

    Ich für mich stelle mir in solchen Situationen drei Fragen, die es mir leichter machen, herauszufinden, wann ich Themen anspreche und es für alle Beteiligten mehr kreiert und wann Schweigen vielleicht eher Gold ist. Denn eins ist klar: Aus dem Affekt oder der Wut heraus, Dinge anzusprechen ist meist keine gute Variante!

     

    1. Wahrheit, was steckt dahinter? Geht es um meine Wahrheit, meine Werte? (Oder will ich mich nur an jemandem rächen oder ihm eins auswischen?)

     

    2. Stelle Fragen und spüre diesen nach, wie z. B.: Wahrheit, wie sieht mein Leben / die Erde in 100 Jahren aus, wenn ich … anspreche? Wahrheit, wie sieht mein Leben / die Erde in 100 Jahren aus, wenn ich … nicht anspreche?
    -> Immer dann, wenn ich im Körper spüre, hier wird es leicht, hier wird was expansiv und weit, dann weiss ich, dass das ein guter Weg für mich ist. Sollte es schwer werden, spüre dem ganzen noch etwas nach und stelle weitere Fragen.

     

    3. Bin ich wirklich der- oder diejenige, die hier «den Auftrag» hat, das Thema anzusprechen? (Oftmals mischen wir uns auch in die Angelegenheiten anderer hinein, um ihnen (meist ungefragt) zu helfen und um Retter oder Rächer zu spielen.)

     

    Wenn du alle drei Fragen eindeutig für dich beantworten kannst, stellt sich im nächsten Schritt dann die Frage, WIE du das ganze kommunizierst.

    Klar und ehrlich zu sein bedeutet nicht, fies zu werden und unter die Gürtellinie gehen zu müssen. Wir denken oft, dass das eine nicht ohne das andere möglich ist. Das ist ein Irrtum. Spüre nach, was da durch dich angesprochen werden will und in welcher Form. Und dann tu es.

    Ach ja, falls du dich fragst, wie die beiden vorhin erwähnten Situationen ausgegangen sind:
    In beiden Fällen wurde das Thema angesprochen. Es ist eben Zeit für Klartext!